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Bilder aus dem Brohltal

Walter Schneider aktuell

Schneider: Mit Kopf und Herz

SPD-Kandidat für das Bürgermeisteramt der Verbandsgemeinde Brohltal will wie 2004 für eine Überraschung sorgen

Drei Bewerber kandidieren um das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Brohltal. Vor dem Urnengang am 3. Juni stellen wir sie in einer Porträtreihe vor. Heute Walter Schneider, SPD.

BURGBROHL. Wenn die C-Jugendspieler der JSG Niederzissen schon wählen dürften, müssten sie nicht lange überlegen, hinter welchem Namen sie ihr Kreuzchen bei der Wahl des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Brohltal am 3. Juni machen würden. Ganz sicher hinter dem von Walter Schneider, ihrem Trainer.

Der Fußball ist die große Leidenschaft des sozialdemokratischen Bewerbers um den Bürgermeisterposten im Brohltal von Kindesbeinen an. Und vom Fußball hat er, wie er sagt, auch viel fürs Leben gelernt. "Gut organisiert, mit Engagement und Teamgeist kann man nicht nur im Fußball Berge versetzen und Ziele erreichen, die einem keiner zugetraut hat."

So wie 2004, als ihn die Burgbrohler völlig überraschend zu ihrem Bürgermeister gewählt haben. "Dass ich mich gegen den Amtsinhaber und den CDU-Kandidaten durchsetze, damit hatte keiner gerechnet. Selbst ich nicht."

Seit drei Jahren führt er nun die Geschicke in der größten Gemeinde im Brohltal. Einen Haushalt von 4,5 Millionen Euro hat er zu verantworten. "Wir haben schon viel erreicht in dieser Zeit, vor allem für Familien und die Jugend. Ehrgeizige Projekte wurden angeschoben, Schulden abgebaut, und auch das Miteinander im Gemeinderat über Parteigrenzen hinweg ist besser geworden", erzählt er nicht ohne Stolz. Seine ganz persönliche Bilanz setzt jedoch noch andere Schwerpunkte. "Die drei Jahre haben mir gezeigt, dass man alles lernen und sich aneignen kann, wenn man zu 100 Prozent mit Kopf und Herz am Ball bleibt." Und: "Man kann nicht immer helfen. Aber wenn die Leute merken, dass man wirklich alles versucht, hat man schon viel erreicht."

Die Sozialdemokratie wurde dem 49-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. Schon Großvater, Vater und Onkel waren in der Kommunalpolitik für die SPD in Gemeinde- und Verbandsgemeinderat tätig. Er selbst ist erst 1998, im Vorfeld der Kommunalwahl, in die Partei eingetreten. "Einfach auf die Liste setzen lassen, ohne Parteizugehörigkeit, das wollte ich nicht. Wenn schon, dann richtig."

Politisch untätig war der Vater von zwei Söhnen, 15 und 17 Jahre alt, aber auch vorher nicht. 26 Jahre ist Schneider Mitglied in der Industriegewerkschaft Bau, Agrar, Umwelt. Als Personalrat hat der gelernte Forstwirt sich auf Landes-, Bezirks, und Ortsebene für seine Kollegen eingesetzt. Bis in den Landesvorstand hatte er es gebracht. Und auch bei Lohntarifverhandlungen auf Bundesebene saß er schon mit am Verhandlungstisch. Mittlerweile hat er das überregionale Engagement zurückgeschraubt. Beruf, Familie sowie das zeitaufwendige Bürgermeisteramt in Burgbrohl binden seine Kraft.

Und jetzt natürlich der Wahlkampf. Die "Tour de Brohltal" soll ihn bis zum 3. Juni an möglichst viele Haustüren in den 17 Gemeinden gebracht haben. "Man fühlt sich zwar im ersten Moment wie ein Staubsauger-Vertreter, aber die Reaktionen sind durchweg positiv", erklärt Schneider. Für ihn ist das Klinkenputzen im Vorfeld der Wahl aber auch ein Stück weit das, was er unter Politik versteht. "Der Kontakt zu den Bürgern darf nicht abreißen. Politik muss immer transparent und nachvollziehbar für jedermann sein, ohne eigene Vorteilsnahme."

Klare Vorstellungen hat er auch davon, was ein Bürgermeister der Verbandsgemeinde erreichen kann. "Wir sind Dienstleister der Bürger. Wir können viel bewegen in den Gemeinden, wir stoßen aber auch schnell an Grenzen. Auf die Firmenpolitik haben wir als VG oder Gemeinde keinen Einfluss. Wir können aber Steine aus dem Weg räumen und den Firmenchefs beim täglichen Kampf mit den Behörden helfen, damit sie erfolgreich sind, ihre Arbeitsplätze im Brohltal erhalten und neue schaffen."

Wenn Walter Schneider heute seine C-Jugend trainiert, verlangt er Einsatz und Teamgeist von seinen Jungs. Anders aber als zu Zeiten als Aktiver, der stets mit aller Macht gewinnen wollte, predigt er den Jugendlichen heute zu akzeptieren, wenn einer besser ist. So will er es auch halten, wenn er nicht gewählt wird. Doch wer weiß, 2004 hatte ihn ja auch keiner auf der Rechnung. (Uli Adams)

Quelle: Rhein-Zeitung vom 23. Mai 2007